RBIR Part 4: Dover bis Cowes

Dover passieren wir Mitternacht von Mittwoch auf Donnerstag. Die verbleibenden 120 Seemeilen bis Cowes sind jetzt ein Amwindkurs bzw. eine Kreuz. Es sind 4-5 Windstärken vorhergesagt mit Schauerböen >20 kn. Wir haben inzwischen auf die J3 gewechselt, ein schweißtreibendes und nasses Unterfangen auf dem Vorschiff. Bis die sperrige J2 im Sack und unter Deck ist, vergeht ein Weilchen. Wohnlicher wird es dadurch auch nicht mehr, aber wir segeln jetzt ohnehin ‚auf Verschleiß‘ … das Ziel doch bereits in Reichweite. Geschlafen wird jetzt in kurzen Intervallen … auf dem Fatboy … in full gear.

Bis Dungeness kommen wir zügig mit einem ‚langen Bein‘, dann kentert der Gezeitenstrom und die Wolken bringen Starkwind (vor der Wolke), ergiebigen Regen, Flaute (hinter der Wolke) und teils absurde Winddreher. Heißt für uns viel Arbeit: Reff rein, Reff raus, 2. Reff rein, zurück aufs 1. Reff, Wasserballast rein, Wasserballast wieder raus. Beachy Head haben wir am Vormittag querab und wir wenden in Richtung Brighton, um auf etwas weniger Welle unter Land zu hoffen. Die Frida setzt heftig in die See ein. Es ist Pest oder Cholera: Die mitlaufende Tide geht gegen den Wind und macht die Wellen kurz und steil, die entgegenlaufende Tide raubt uns den Speed über Grund. Beides fühlt sich nicht gut an, weder für das Boot, noch für die Crew.

Am frühen Nachmittag müssen wir uns nochmal etwas von der Küste lösen, um die letzte Bahnmarke vor dem Solent – Owers Buoy – zu runden. Die 15 Seemeilen dauern eine Ewigkeit, die See weiter draußen noch übler, doch irgendwann sind auch die geschafft und wir können direkten Kurs auf das No Man’s Land Fort am Eingang zum Solent. Die Isle of Wight ist jetzt vor uns sichtbar, ebenso die Skyline von Portsmouth.

Vor der Snowden Buoy noch ein paar kurze Schläge, dann haben wir es geschafft: 19:42 Uhr BST queren wir die Ziellinie vor dem RORC.

Photo Credits: RORC

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