RBIR Part 2: Black Rock bis Muckle Flugga

Nördlich vom Black Rock halten wir uns mit dem Gezeitenstrom unter Land und halsen erst nördlich von Eagle Island auf ziemlich direkten Kurs auf St. Kilda. Was eigentlich als schnelle Überfahrt gedacht war, wird durch eine ausgedehnte Gewitterfront zunichte gemacht. Schlussendlich beschäftigt die uns den Rest des Tages mit Flautenlöchern, Winddrehern und Regen. Erst gegen Abend gibt sie uns wieder frei. Es gibt einen Bilderbuch-Regenbogen und einen schönen Sonnenuntergang mit tollem Licht … never gets old!


Durch die Nacht geht es zügig bei 4-5 Windstärken auf einem schönen Reachkurs anfangs mit C0 später mit dem A5 und die letzten Meilen unter J2. Für die verbleibenden 130 Seemeilen brauchen wir 15 h. Wir genießen das schnelle Segeln: im Durchschnitt 10 kn, in den Surfs deutlich drüber.

Die Inselgruppe St. Kilda schält sich aus dem Dunst und Nebel als ein Haufen schwarzer, roher Felsen mitten im Atlantik. Die Felsen sind mehrere hundert Meter hoch und nur spärlich bewachsen. Hier regnet es 1.400 mm im Jahr und selbst im Juli beträgt die Durchschnittstemperatur nur ca. 12 Grad Celsius.
Wir runden die Inselgruppe zusammen mit der Stickleback und können auf einen etwas östlicheren Kurs abfallen. Wir holen wieder den A5 aus der Tüte und bei böigen 5 Windstärken geht es Richtung Muckle Flugga. Dabei lassen wir noch die Inseln Flannan Isles, Sula Sgeir und Rona in Lee von uns.
Der Wind raumt etwas und vor Anbruch der Dunkelheit wechseln wir auf den etwas größeren A4. Das machen wir inzwischen wieder mit gewohnter Routine, alles geht flüssig und zügig von der Hand. Die Nacht ist ruppig, jedenfalls fühlen sich die 5-6 Windstärken hier draußen ganz ungemütlich an. In nasskalter, pechschwarzer Nacht macht der Autopilot einen guten Job und lässt die Frida in jeder Schauerbö ordentlich losbrettern. Die kabbelige See lässt das alles zu einem Rodeo werden. Die heranziehenden Schauerwolken erkennt man erst an den einsetzenden Winddrehern, bevor der Wind zunimmt – wahlweise mit oder ohne Regen. Hinter den Wolken ist es meist etwas flauer, ebenfalls mit schralenden Winden. Aber wie gesagt: Sehen kann man das alles nur am Kompasskurs und am Windspeedometer.
Erstmals gibt es Verpflegung aus der Tüte, zum Kochen ist es einfach zu bumpy. Schlafen können wir inzwischen trotz des Lärms und der erratischen Schiffsbewegungen gut. Wir sind endgültig im Rennen angekommen.

Die Dämmerung dauert hier oben lange: nach Sonnenuntergang ist es noch mindestens zwei Stunden hell, genauso vor Sonnenaufgang. Das macht die tiefschwarzen Neumondnächte einigermaßen kurz.

Ist die Stickleback auf Höhe der Flannan Isles noch in Sichtweite, können wir uns über Nacht etwas absetzen und segeln den ganzen Samstag mutterseelenallein Richtung Shetland Inseln.
Wir geben ordentlich Gas, denn von Nordwesten rückt eine flauerer Windkeil heran und vor dem Muckle Flugga wartet unser nächstes Taxi: der starke Gezeitenstrom um die Nordspitze der Insel Unst.

Die letzten 40 Seemeilen bis zum nördlichsten Punkt unseres Kurses ist für Mensch und Material fordernd. Auf einem spitzen Reachkurs unter C0 bei guten 4 Windstärken und übler Kreuzsee geht es geht zur Sache. Wir passen den Gezeitenstrom perfekt ab und werden um die Insel gesaugt.

Gegen 2 Uhr morgens des 16. August runden wir das Leuchtfeuer … mehr sehen wir auch nicht von der Inseln. Als es dämmert sind wir bereits wieder einige Meilen vom Land entfernt … jetzt in der Nordsee mit Kurs Süd für ca. 500 Seemeilen.

Es macht sich Erleichterung breit … obwohl das RBIR mit uns bislang ganz pfleglich umgegangen ist. Trotzdem ein schönes Gefühl wieder ’nach Hause‘ zu segeln. 😉

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