Wir starten am 31. Juli in Schilksee zur Überführung nach Cowes, um beim diesjährigen Round Britain and Ireland Race (RBIR) teilzunehmen.
Der Transfer ist bei sommerlichem Segelwetter nach einem Tag durch den Nord-Ostsee-Kanal und 3 Tagen auf See erledigt. Wir verbringen die Tage vor dem Start „gegenüber“ von Cowes in Hamble-le-Rice, einem kleinem Örtchen am Hamble River, welcher nahezu auf jedem seiner Flusskilometer als Yachthafen oder Mooring genutzt wird.
In Cowes selbst findet vor dem Start zum RBIR die Cowes Week statt, an einen Liegeplatz – geschweige denn einen ruhigen – ist da nicht zu denken. Und so machen wir eben beim Hamble Yacht Service in Hamble-le-Rice fest, direkt vor dem Bug der Varuna 6.
Am Samstag vor dem Start verlegen wir die Frida nach Cowes. Am späten Nachmittag ist das Skippers Meeting und das Wetter Briefing im Klubhaus des RORC. Anschließend gibt es noch ein BBQ. Wir treffen alte Bekannte wieder: Kuba von Polished Manx und Frans von der Moana. Beide sind vor drei Jahren beim Azores and Back Race mit dabei gewesen.
Der Startschuss zum RBIR fällt am Sonntag 13:30 Uhr britischer Zeit. Es gibt einen Start für alle Teilnehmer. Die Linie – eine Peilung vor dem Klubhaus des RORC – ist lang genug und der Ostwind und der nahezu fehlende Gezeitenstrom machen es leicht einen sauberen Start hinzulegen.
Wir kommen gut los und kreuzen Richtung Osten aus dem Solent, alles noch bei leichtem Wind. Zwischendurch gibt es ein paar flaue Patches, wir segeln ganz auf die Nordseite bis nach Portsmouth und dann können dann auch mit wenigen Schlägen die Ostspitze der Isle of Wight anliegen.
Der Wind dreht mit unserem Kurs, so dass auch der Weg entlang der Isle of White Richtung Süden und dann weiter nach Westen eine Kreuz ist. Hinzu kommt ein kräftiger Gezeitengegenstrom, der uns dazu zwingt, in engen Schlägen unter der Küste zu kreuzen. Zum Glück ist hier das Feld noch beieinander, man erkennt gut die britischen Locals, die sich hier auskennen und jede Landnase nutzen.
Am Sankt Catherine’s Point – der Südspitze der Isle of Wight – wenden wir auf ein langes Bein Richtung Nordwesten. Nahe der Needles kommt erneut ein Windreher nach rechts und legen um Richtung Westen … Richtung Land’s End.
Der zweite Segeltag ist weiterhin ein Amwindkurs bei leichter Brise Richtung Westen. Wir segeln im Pack mit Bellino, Ronin und Moana.
Abends passieren wir die Eddystone Rocks und der Wind dreht auf Nord, so dass wir kurz den C0 und kurze Zeit später den A2 setzen können, um weiter Richtung Lizard Point und Land’s End zu segeln.
Hier passiert uns unser erster großer, taktischer Fehler: wir bleiben in Windschatten der Küste liegen, und der Gegenstrom drückt uns Richtung Norden zum Verkehrstrennungsgebiet (TSS Off Land’s End), das ist für uns tabu. Wir probieren, uns noch nach Westen durchzuarbeiten, aber kräftige, nach Norden setzende Gezeitenstrom zwingt uns schließlich zum Halsen.
Im Schneckentempo bewegen wir uns Richtung Süden. Erst der einsetzende Ostwind befreit uns endlich aus dem Flautenloch, da sind nahezu 3 Stunden vergangen.
Zwischenzeitlich hat ein Großteil des Feldes das Flautenloch weiter südlich umfahren. Als wir am Dienstagvormittag unseren ersten Felsen – Bishop Rock – passieren, machen wir das in guter Gesellschaft.
An Tag 3 segeln wir die ganze Zeit mit A2 über die irische See Richtung Fastnet Rock – immer in Sichtweite anderer Yachten. Es ist eine wunderbare Segelei, auch wenn Leichtwind nicht gerade zu unseren Stärken zählt. Eine Bucket Challenge im Cockpit gibt es auch, die Nächte sind sternenklar und mild und es gibt reichlich Sternschnuppen.

Am Vormittag des vierten Tages passieren wir den Fastnet Rock außer Sichtweite und bald darauf auch den Bulls Rock. Great Skellig ragt dramatisch aus dem Seenebel und Wolkenfetzen, ebenso Tearaght Island weiter nördlich.
In den Abendstunden gibt es eine partielle Sonnenfinsternis mit wunderbarem Licht. Die Wolkendecke macht es uns einfach das Spektakel zu verfolgen.

Die Nacht verbringen wir mit Kurs dead downwind Richtung Norden zum Black Rock, über 100 Seemeilen entfernt. Wir halsen in einem engen Korridor entlang der Küste, und versuchen die wechselnden Gezeiten an den Kaps für uns zu nutzen. Das gelingt uns auch ganz ordentlich, heißt aber für eine Zweihand-Crew: viel Arbeit und wenig Schlaf.

Die Moana und die Stickleback_ sind oft in Sichtweite und bieten uns eine gute Möglichkeit, unseren Kurs unserer Performance zu überprüfen.
Donnerstagvormittag ist auch der Black Rock querab. Jetzt haben wir 230 Seemeilen freies Wasser vor uns. Nächste Bahnmarke: St. Kilda westlich der Hebriden.